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Eigenheim wird zur finanziellen Falle
02.12.2011 - Göttingen (hein). Auf Messers Schneide steht der Prozess gegen eine 33 Jahre alte Frau aus Einbeck, die für tatsächlich gar nicht erbrachte Vermittlungen von Arbeitslosen in Jobs reihenweise Provisionen kassiert hat. Der Staatsanwalt will die Frau im Gefängnis sehen, die Verteidiger kämpfen um eine Bewährungsstrafe für die Mutter von drei Kindern. Angeklagt ist die 33-Jährige wegen gewerbsmäßigen Betruges und Urkundenfälschung. Der geständigen Frau wird vorgeworfen, Arbeitsagenturen im gesamten Bundesgebiet mit vorgetäuschten Vermittlungen um 50?000 Euro erleichtert zu haben.
Gestern schilderte die Frau dem Landgericht noch einmal, in welcher finanziellen Notlage sich ihre Familie befunden habe: Das Eigenheim war bei einem festen Monatseinkommen des Ehemannes von 1700 Euro zur finanziellen Falle geworden. Als Mahnungen und Vollstreckungsbescheide auf die Familie einprasselten und der Gerichtsvollzieher vor der Tür stand, habe sie mit dem Provisionsbetrug begonnen.
Der Staatsanwalt räumte in seinem Plädoyer ein, dass die Agenturen für Arbeit es der Angeklagten sehr leicht gemacht und einfache Überprüfungen der Rechtmäßigkeit der geforderten Provisionen unterlassen hätten. Bei einer Nachfrage bei den nur scheinbar vermittelten Arbeitslosen wäre die fast zweijährige Betrugsserie sehr schnell beendet gewesen. Andererseits habe die Frau trotz einer Verurteilung durch ein anderes Gericht ungerührt weitergemacht. Drei Jahre Gefängnis seien angemessen.
Hier hakte Anwalt Jürgen Ahrens ein: Trotz des gerichtlichen Warnschusses habe sie angesichts der verzweifelten Lage ihrer Familie keinen anderen Ausweg gesehen. Jetzt habe die Angeklagte die Schulden unter Kontrolle und ein Studium begonnen. Nur bei einer Bewährungsstrafe mit maximal zwei Jahren Haft habe sie die Chance, ihre Familie zu retten, ihre Kinder weiter zu betreuen und ihre Schulden zurückzuzahlen.
» Quelle: http://www.goettinger-tageblatt.de
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